Nordenham. 80 Jahre liegt die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 zurück und 100 Jahre das Jahr 1913 – für Jochen Dudeck, Leiter der Stadtbücherei Nordenham, lassen sich diese Daten verknüpfen. Zu den Literaten, deren Werke ins Feuer geworfen wurden, gehören Schriftsteller, die das Unglück eines nahenden Weltkrieges bereits 1913 vorraussahen. „Kriege fangen schon Jahre vorher an. Und es lohnt sich ein Blick auf die Leute, die schon 1913 gesagt haben: Da kommt etwas auf uns zu“, so Dudeck. Drei dieser „Verbrannten Denker“ werden in zwei Veranstaltungen am Mittwoch, 22. Mai, und am Mittwoch, 5. Juni, jeweils um 20 Uhr vom Bremer Verleger Helmut Donat in der Stadtbücherei vorgestellt.
So durchorganisiert die Bücherverbrennung war, so nahezu willkürlich die Auswahl der Bücher, die auf einer Liste eines einfachen Bibliothekars basierte. Hinzu kamen die Bücher, die von der Deutschen Studentenschaft, die die treibende Kraft der Bücherverbrennung war, als „verbrennungswürdige Literatur“ in Bibliotheken und Buchhandlungen ausgemacht wurden. Darunter dürfte auch das damals bekannte Buch „Die Forschungsreise des Afrikaners Lukanga Mukara ins innerste Deutschland“ von Hans Paasche gewesen sein. Pasche war nach seiner Zeit als Marineoffizier in deutschen Kolonialgebieten zum Pazifisten und Kritiker des deutschen Militarismus und Kolonialismus geworden. Als Wortführer der Jugendbewegung, Mitglied der USPD und später wahrscheinlich der KPD war er ein Feindbild der Rechtsradikalen und wurde 1920 unter nie ganz geklärten Umständen von Soldaten erschossen.
Über diesen Vordenker wird der Bremer Verleger Helmut Donat am 22. Mai referieren. Donat widmet sich als Herausgeber seit vielen Jahren den vergessenen Demokraten des Kaiserreiches und der Weimarer Republik und wurde für sein Engagement mit dem Carl-von-Ossietzky-Preis der Stadt Oldenburg ausgezeichnet.
Auch am 22. Mai wird Helmut Donat über zwei Schriftsteller referieren, deren Werke er sich angenommen hat. Dann wird neben dem linksliberalen Journalisten Hellmut von Gerlach auch Friedrich Wilhelm Förster Thema sein.
Förster tauchte an dritter Stelle bei den „Feuersprüchen“ auf. Unter der Parole „Gegen Gesinnungslumperei und politischen Verrat, für Hingabe an Volk und Staat! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Friedrich Wilhelm Foerster“ wurden dessen Werke ins Feuer geworfen. Der bedeutende Pädagoge galt ebenfalls als ein Gegner des deutschen Militarismus und war damit eine seltene Ausnahme in der wilhelminischen Zeit.